Klimasichten

Spätestens nach der Ernte wird das Offenkundige sichtbar: dass unser Wohlstand auf rücksichtslosem Raubbau an unseren natürlichen Lebensgrundlagen beruht.

Die Erdoberfläche liegt nackt da, nur ein paar Krähen kämpfen noch um letzte Körner, die den gefräßigen Erntemaschinen entkommen sind. Das Land liegt tot und still da. Das eiszeitliche Wasserloch ist ausgetrocknet. Nur ganz tief unten im Betonring, der zum Drainagesystem gehört, spiegelt sich der Himmel über der einstigen Moorlandschaft, die ab den 60er Jahren trockengelegt wurde, damit Ackerland gewonnen werden konnte.

„Du hast es doch gewusst“ werden mir meine Enkel sagen.

Aus trocken gelegten Mooren entweichen massenhaft klimaschädliche Gase in die Atmosphäre. Nitrat sickert ins Grundwasser. Die Böden sind tot und vergiftet. Multiresistente Keime verbreiten sich unkontrolliert. Unerträgliche Hitze und Unwetter sind Alltag. Die Arktis brennt.

„Das ist das Land, das du uns hinterlassen hast, das ist unsere Zukunft“ werden sie mir vorwerfen, wenn sie 15 und 16 Jahre alt sind. Und wenn ich beschämt von einer vagen Hoffnung auf eine bessere Zukunft spreche, werden sie mir die Worte der fünfzehnjährigen Greta Thunberg entgegen halten, die 2019 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gesagt hatte: “Ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet. Ich will, dass ihr die gleiche Angst habt, die ich täglich verspüre, und dann will ich dass ihr handelt“.