Vita


1951 bis 1969 So geht es Bobingen zu

Der aufregendste Beruf, den ich mir nach der Mittelschule vorstellen konnte, war Schaufensterdekorateur. Aber nicht einmal das war in der Arbeiterfamilie, aus der ich stamme, denkbar. In Bobingen ging man zu den Farbwerken Hoechst, und mein Vater – der sein Leben lang die blauen Kittel der Arbeiter getragen hatte – sagte, ich müsse zu den Chemikern, die hätten weiße Arbeitsmäntel, schon als Lehrling. Meine Mutter pflichtete ihm bei. Hoechst sei eine sichere Sache, und ich könne Mittag zum Essen nach Hause kommen. Also wurde ich Chemielaborantenlehrling.

Ich verließ Bobingen im Alter von 18 Jahren,  studierte in Aachen und wurde 1977 in München Vater.

1966 bis 2013 Wildwasserjahre: im Kajak, zu Fuß und mit Rad – einmal um die halbe Welt

Ich wurde 1951 im Wallfahrtsort Altötting geboren. Zu einem Wallfahrtsort pilgert man, daher ging ich erst mal auf Reisen, um in der Ferne die Sehnsucht nach der Heimat zu spüren. Aber kaum war ich heim gekommen, musste ich wieder fort, irgend ein abenteuerliches Ziel fand sich immer.

Als ich älter wurde, kaufte ich mir ein Häuschen, das mich wie ein Anker zu Hause festhalten sollte. Nach ein paar Jahren war die Kette durch gerostet, es zog mich weiter, in ein Haus aus dem 16. Jahrhundert, in dem es keinen einzigen rechten Winkel gab. Unbemerkt hatte ich mich meinem Geburtsort, dem Wallfahrtsort Altötting, genähert. Weiter zurück in den Mutterleib ging es nicht mehr.

ab 2004 Klein Markow, Mecklenburg – Opa am Ende einer Schlaglochpiste

Vielleicht, vermutete ich, könnte die Heimat ganz wo anders liegen, weit weg von dem Ort meiner Geburt, und so entschied ich mich für ein Dorf in Mecklenburg, in dem mehr Hühner als Menschen leben. Meine Frau war aus dem Norden zu mir in den Süden gekommen, aber da war nur mein Leben. Ein Leben zu Zweit, das erst im Alter beginnt, verlangt nach einem Ort, den keiner von Beiden kennt, den man gemeinsam schafft und zur gemeinsamen Heimat macht. Klein Markow war so ein Ort.