Fotografien aus Mecklenburg Vorpommern

Arend & Riegel

Franz Riegel, geboren 1951 in Bayern, darf mit 9 Jahren erstmals den Fotoapparat seines Vaters benutzen. Jahrzehnte lang ist er in der Welt unterwegs, bereist etwa Indien, Sumatra, die Maghrebstaaten oder Kirgisistan, zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Kajak. Er fotografiert unterwegs für Magazine und Bücher, zu Hause für Kunden seiner Werbeagentur. Dabei entwickelt er seinen fotografischen Blick sowie sein technisches Verständnis der Fotografie im Austausch mit anderen Fotograf*innen aber vor allem im Selbststudium stetig weiter. 2005 beschliesst er Wurzeln zu schlagen und zieht nach Mecklenburg-Vorpommern. Die mit dem Sesshaftwerden verbundene Entschleunigung verändert auch seine Fotografie. „Alles ist langsamer. Man hat Zeit zu sehen und vor allem zu fühlen, was ist.“ Das verlangt, auch künstlerisch fotografisch Position zu beziehen.
In dieser Zeit entwickelt sich eine intensive Zusammenarbeit mit Brigitte Arend (Jahrgang 1953). Die weit gereiste Sozialwissenschaftlerin und Psychotherapeutin beschäftigt sich mit den ökonomischen, psychosozialen und ökologischen Konsequenzen gesellschaftlicher Umbrüche. Das Paar ist seit 2004 gemeinsam unterwegs, spürt Motive auf und entwickelt Konzepte, die die zentralen gesellschaftlichen Fragen reflektieren und diesen künstlerischen Ausdruck verleihen. Es entstehen Projekte und Serien zur Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur, zu gesellschaftlichen Umbrüchen durch Ressourcenraubbau und soziale Ungleichheit. In der Stille Mecklenburgs entwickelt sich schließlich eine Freundschaft mit Mitsuko und Heinrich Radeloff, die beider Begegnung mit Japanischer Kunst befördert. So werden Franz Riegels
fotografische Arbeiten zunehmend abstrakter, zeigen Vielschichtigkeit und Tiefe. Zugleich versuchen Brigitte Arend und Franz Riegel, in ihrem persönlichen Umfeld, ihrer Ernährungsweise, in Haus und Garten ihren CO2-Fußabdruck zu vermindern und durch die Auswahl von Pflanzen auf ihrem Grundstück dem Artensterben lokal entgegen zu wirken. Eine Solaranlage erzeugt Strom, eine weitere dient der Wassererwärmung. Regenwasser wird in einem 4000 Liter fassenden Tank gesammelt. Alle fotografischen Projekte entstanden zudem vor Ort, in Norddeutschland, zu meist in Mecklenburg-Vorpommern, um weniger zu reisen, aber auch um sich die neue Heimat zu erarbeiten. Brigitte Arend ist an der Auswahl sowie der Zusammenstellung der Arbeiten zu Ausstellungen beteiligt und kommentiert diese in gemeinsam gestalteten Katalogen und Büchern.