Wechselwirkungen

Von Alexander Humboldt ist überliefert, dass er beim langsamen Aufstieg auf den Cimborazzo erkannt habe, dass alles mit einander zusammenhänge und in Wechselwirkung stehe.

Franz Riegel arbeitet vornehmlich im Freien, in der mecklenburgischen Weite, dort, wo er das Wechselspiel der Elemente mit der Landschaft aber auch mit den Eingriffen des Menschen unmittelbar beobachten und erleben kann. In der Ausstellung Wechselwirkungen sind Arbeiten aus den Serien Topografie, Diffundere und „In Hohes Feld beginnt die Welt“ vereint. Diese Arbeiten sind Reflexionen über Raum, Zeit, Form und letztlich auch Verantwortung.

In den Bildern der Serie Topografie liegt die Erdoberfläche nackt da. Archaische Leere, Ausgesetztsein und die Nachhaltigkeit der Narben in der Landschaft bestimmen das Bild. Traktorenspuren zeichnen abstrakte Muster, die durch die Reste der Eiszeit gebrochen werden. Toteislöcher und Moränenhügel stören bis heute die geradlinigen Bearbeitungsspuren der Agrarsteppen. Die eiszeitliche Topografie behauptet sich gegen die neuen Narben. Den Bildern wohnt eine Dialektik von poetischer Schönheit und inhärentem Grauen inne.

Die Serie „In Hohes Feld beginnt die Welt“ zeigt Buswartehäuschen. Hier zeigt Franz Riegel Ausblicke auf die leere Landschaft, die die Wechselwirkung zwischen agroindustrieller Landbearbeitung und dem Verschwinden von Infrastruktur und menschlichem Lebensraum zeigen.

Wo Erdoberfläche und Atmosphäre aufeinander treffen, entstehen Niederschläge, die im Streulicht in Form von Dunst und Nebelschwaden sichtbar werden. Wassertröpfchen reichern sich mit Partikeln und Gasen aus der Umgebung an, lösen sich wieder auf und transformieren sich zu etwas Neuem. Alle Elemente, Land, Wasser und Luft durchdringen einander in flüchtigen Phänomenen, die im Wechselspiel des Lichtes changieren. Alles was vom Menschen hinzugefügt wird, bleibt im Kreislauf erhalten.

In den ätherisch anmutenden fotografische Arbeiten der Serie „Diffundere“ verschwinden Konturen, lösen sich in eigenartigen Farben und Licht auf. Manchmal gleichen die zarten Durchdringungen und impressionistischen Lichtmalereien entfernt Erinnerungen, an Wolken oder an von Nebelschwaden überlagerte Landschaften und Pflanzen. Aber im nächsten Moment sind diese Gewissheiten wieder dahin. Und es bleibt ein eigentümliches Gefühl von etwas nichtfassbar hintergründig Bedrohlichem in den Fotografien zum Thema Wechselwirkungen.