Fotografien aus Mecklenburg Vorpommern

Hausschlachtung

Menschen in der Region betreiben die andernorts bereits ausgestorbene Form der Selbstversorgung, in dem sie Hühner, Gänse und eben auch ein Schwein halten, es schlachten, verwerten und essen. Franz Riegel hat archaisch anmutende Szenen geschaffen. Sie machen uns zu Zeugen vergessener Riten und vortechnischer Wirtschaftsweisen.
Diese Bilder zeigen Hausschlachtungen, die das Landleben abseits von Landlust und Landliebe ganz trefflich widergeben. Sie zeigen Menschen, die sich weitgehend autark ernähren und jene Tiere, die sie essen, selber aufziehen und schlachten.

 

Wenn das Schwein am Haken hängt, wird der erste eingeschenkt

Else hatte ein Schwein geschlachtet. Ein sieben Zentner schweres Schwein mit einer Haut wie Marzipan. Schweine mästen war Elses Berufung, ihre Schweine mussten die größten und die fettesten sein. „Bis ich achtzig bin, werde ich Schweine mästen“, polterte sie, „bis ich achtzig bin auf alle Fälle, dann sehen wir weiter.“

„Aber müssen deine Schweine so fett sein? Das kann doch kein Mensch essen.“

„Hast du eine Ahnung, erst heute war der Kaminkehrer da und hat so geschnuppert. Else, hast du Speck geräuchert, hat er gefragt? Da habe ich ihm natürlich ein Stück abgeschnitten, der Kaminkehrer kommt immer vorbei, wenn ich schlachte. Ein Schwein MUSS fett sein, und Hugo mag ja den geräucherten Speck so gerne, nicht wahr Hugo? Wenn der so frisch aus der Räucherkammer kommt, dann schmeckt er wie Aal.“

Dieser Zyklus zeigt farbige Bilder einer Hausschlachtung. Haltung und Mimik der Menschen drückt jeweils das Bemühen aus, es richtig und gut zu machen. Eindrucksvolle Menschenportraits, die einladen, sich den Akt näher anzusehen. Diese Bilder sind ästhetisch und zeigen doch, worum es geht: um das Töten mit dem Ziel des Genusses.


Also, wenn ich ein Huhn wäre…

dann weiß ich was ich niemals tun würde, ich würde mich nicht töten lassen. Auch nicht zum Essen als gebratenes Hähnchen. Aber was ich auch nicht will: dass ich eingesperrt bin, sondern ich will in einem offenen Stall wohnen und dass ich herumlaufen und nach Würmern suchen kann.

Katja Sothmann, Ohrenkuss 3/2012